#37: Entspannen in der Südsee


Der Plan für die nächsten zweieinhalb Wochen ist simpel: ausschlafen, entspannen, sich erholen. Anstatt ständigem «Weiterziehen» – wir haben im vergangenen halben Jahr nie mehr als vier Nächte hintereinander am selben Ort verbracht – stehen nun unsere «Ferien vor dem Reisen» vor der Tür. Die Strandunterkünfte sind gebucht, entspannten Badeferien steht nichts mehr im Weg…

Badeferien: Etwas, was wir in unserem Erwachsenenleben noch nie gemacht haben. Eigentlich erstaunlich, wenn man bedenkt, auf wie viele unterschiedliche Arten wir schon unterwegs waren: per Kajak durch die kanadische Wildnis paddelnd, per Hundeschlitten in klirrender Kälte durch das winterliche Alaska gleitend, per 4x4-Fahrzeug durch das Hochland Islands fahrend, auf diversen Ferien per Camper durch die USA, Kanada, Neuseeland oder Australien reisend, hoch zu Ross durch Irland reitend und dann natürlich ganz oft zu Fuss durch verschiedenste Landschaften dieser schönen Welt wandernd. Immer in Bewegung – das ist das, was wir gut können und lieben. Doch können wir auch einfach mal innehalten, einen Gang runterfahren und «Nichts tun»?

Die Südsee – ein Sehnsuchtsziel am Ende der Welt

Weiter weg von der Schweiz geht kaum. Neuseeland liegt zwar noch ein bisschen weiter entfernt, doch vom Gefühl her sind es dann doch eher die Inselregionen der Südsee (worunter Polynesien, Melanesien und Mikronesien zählen), die sich richtig weit weg anfühlen. Französisch-Polynesien liegt fast mittig zwischen Australien und Südamerika. Dazwischen liegen Tausende von Kilometern offener Ozean, nur hier und da sind kleine Inselchen in den unendlichen Weiten des Meeres verteilt. Es ist kaum vorstellbar, wie weitläufig Französisch-Polynesien ist: Es besteht aus 118 Inseln und Atollen und erstreckt sich über ein Meeresgebiet von über 4 Millionen Quadratkilometern! Auf der Karte wirkt das abstrakt – erst beim Anflug wird spürbar, wie verloren diese Inseln im Ozean liegen. Wer von der Schweiz aus hierherreisen möchte, benötigt Geduld und gutes Sitzleder: Für die über 16'000 km lange Flugreise benötigt man nur schon für die An- und Rückreise gute zwei bis drei Tage. Da haben wir uns ja in Alice Springs (Australien) gut positioniert :-) Uns erwartet eine verhältnismässig kurze Anreise. Will heissen: Wir fliegen in 2 h 40 min von Alice Springs nach Sydney, wo wir einmal übernachten. Am nächsten Tag geht unsere Reise weiter via Auckland (Neuseeland; in 3 h 10 min) nach Papeete (Tahiti, Französisch-Polynesien; 4 h 50 min). Irgendwo zwischen Neuseeland und Französisch-Polynesien überqueren wir die Datumsgrenze. Wir gewinnen somit einen ganzen Tag, ganz nach dem Motto «vorwärts in die Vergangenheit» (oder wie hiess der Science-Fiction-Film aus den 80er-Jahren nochmals?!).

Bienvenue à Tahiti

Leider gibt es zurzeit nur diese eine Verbindung von Neuseeland nach Tahiti und mit dieser kommt man morgens um halb 3 in Papeete an… Wir reisen aus dem Roten Zentrum Australiens mit seinen kalten, trockenen Nächten an und landen in einer feucht-schwülen, warmen Nacht. Die Piste ist noch nass, es muss also noch vor Kurzem geregnet haben. Etwas schlafgetrunken und müde torkeln wir aus dem Flugzeug und begeben uns in die Ankunftshalle. Wir staunen nicht schlecht, als – mitten in der Nacht – ein Trio in der Eingangshalle steht und den Neuankömmlingen aus voller Inbrunst und in schöner traditioneller Kleidung ein Ständchen singt. Ein seltsamer, fast surrealer Moment nach dieser langen Anreise. Es ist wirklich sehr lieb gemeint, doch wir fühlen uns fast ein bisschen schlecht. Also wegen uns hätte sich echt niemand in aller Herrgottsfrühe (oder soll man es doch «zu solch später Stunde» nennen?) eine solche Mühe machen müssen. Doch zugegebenermassen hat dieses ein Empfangskomitee deutlich mehr Stil als unser «Heidi-Bändli», das auf dem Zügli vom E-Gate zum Ausgang des Flughafen Zürichs abgespielt wird ;-)

Der Name «Französisch-Polynesien» lässt die hier gesprochene Sprache mehr als nur erahnen. Nach einem halben Jahr in englischsprachigen Ländern müssen wir nun also umdenken und auf eine andere Sprache switchen. Mal abgesehen davon, dass unser Französisch nie besonders gut war, haben wir es auch lange nicht mehr gebraucht. Dementsprechend eingerostet ist es. In Kombination mit einer nächtlichen Ankunft und der Tatsache, dass man sein erstes Französisch seit Langem ausgerechnet bei der Immigration hervorklauben muss, kann man sich die Qualität vorstellen… Als der Officer dann tatsächlich ganz genau alle Unterkunftsnamen von jeder Insel und in der richtigen Reihenfolge wissen will, geraten wir innerlich kurz ins Schwimmen.

Zwischen Jetlag und Hahnenkrähen

Nach erfolgreicher – wenn auch sprachlich eher beschämender – Einreise, widmen wir uns der ersten Aufgabe in der neuen Destination: Bargeld besorgen. Dass um diese Zeit keine Wechselstuben mehr geöffnet haben, ist uns klar. Doch wofür gibt es ATMs? Im Flughafen von Papeete scheinen die ATMs vorrangig zur Dekoration dazustehen. Zumindest in dieser Nacht sind sie leer. Ja guuut, ist ja nicht so tragisch. Heutzutage kann man ja wirklich fast überall mit der Karte bezahlen. Fast überall. Nicht jedoch die Taxis, die vom Flughafen zu den heissersehnten Hotels fahren. Tja, das ist jetzt doch etwas blöd… Da stehen wir also todmüde mit unserem Gepäckberg am Taxistand und können nicht bezahlen. Erst seit Kurzem hier und schon die erste Stresssituation, die sich zum Glück schnell auflöst: Nachdem mehrere Taxifahrer/innen miteinander diskutierten, bekommen wir schlussendlich mit, dass unsere Taxifahrerin auf dem Weg zum Hotel bei einem Bancomaten in der Stadt anhält und wir dort Geld abheben können. Wir sind froh, dass wir immerhin befördert werden. Doch nach der ersten Erleichterung kommen uns auch leichte Zweifel: Ist es denn sicher? Sind das wirklich offizielle Taxis? Haben die Bancomaten in der Stadt Geld? Ist es leichtsinnig, wenn wir mitten in der Nacht irgendwo in einer uns völlig unbekannten Stadt Geld abheben? Aber, haben wir eine Wahl? Nein, wir haben keine Wahl und ja, es ist alles gut gegangen. Um etwa vier Uhr erreichen wir endlich samt Bargeld in der Tasche unser Stadt-Hotel. Vier Uhr, das ist in etwa die Zeit, zu der bereits wieder die ersten Hähne krähen. Und wenn es ein Tier überall auf den Inseln gibt, dann sind es kräh-freudige Hähne. Doch Hähne hin oder her, in dieser «Nacht» hätte uns nichts mehr wecken können. Wir fallen in einen tiefen Schlaf… Michelles Schlaf ist tatsächlich so tief, dass sie ganze 12 Stunden durchgehend – bis nachmittags um 16 Uhr – schläft. Dass sich das nicht unbedingt positiv auf den Schlafrhythmus auswirkt, ist logisch. Doch unsere Körper scheinen unseren Plan (ausschlafen, entspannen, sich erholen) gewissenhaft zu verfolgen: Widerstand zwecklos – sie fordern eine ausgiebige Ruhezeit. Können (und wollen) wir uns diesen Forderungen hingeben und tatsächlich einen Gang runterschalten? Ob uns das gelingt, zeigt der nächste Blog.

Unsere Bildergalerien zu Französisch-Polynesien findest du hier.

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#38: Unsere Version von «Nichts tun»

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#36: Ein paar Zahlen und Fakten zu unserem Westaustralien-Aufenthalt