#38: Unsere Version von «Nichts tun»
«Nichts tun» klingt einfacher, als es ist… Nach zwei vollen Tagen, die wir fast ausschliesslich mit Ruhen und Schlafen verbracht haben, melden sich leise unsere inneren Stimmen: «Seid ihr denn wirklich all den weiten Weg hierhergekommen, um nur herumzuliegen und zu schlafen? Es gibt doch so viel zu entdecken…». Und zack sind wir wieder in unserem Rhythmus und tun das, was wir gut können und gerne machen: aktiv sein und in Bewegung bleiben.
Intensive Inselumrundung mit A.
Wir möchten etwas von der Insel sehen und mehr über Land und Leute erfahren. Was eignet sich da besser als eine geführte Inselrundfahrt? So stehen wir am dritten Tag auf Tahiti frühmorgens bereit für eine halbtägige Tour rund um Tahiti Nui, der grösseren der beiden Inseln, die zusammen «Tahiti» bilden. Unsere Reiseleiterin A. staucht uns gleich mal zusammen, da wir uns angeblich 20 Minuten zu spät in der Hotellobby eingefunden hätten. «Na, das ist ja mal eine nette Begrüssung, das kann ja noch heiter werden», denken wir und entschuldigen uns für unsere «Verspätung», obwohl wir wie auf der Bestätigung beschrieben um die korrekte Uhrzeit am korrekten Ort waren. Auf dem Weg gabeln wir noch zwei weitere Paare, die – genau wie wir – auch «zu spät» kommen und dann geht es auch schon offiziell los mit der Tour. A. ist auf Tahiti aufgewachsen und scheint hier wirklich jeden Winkel zu kennen. Zu fast jedem Gebäude weiss sie eine Geschichte zu erzählen – egal ob Kirche, Schule oder Hotel. Wir sitzen aufmerksam lauschend im klimatisierten Kleinbus und lassen uns von den vielen Infos berieseln. Ab und an halten wir an einer Sehenswürdigkeit, wo wir uns die Beine vertreten können und von A. mit weiteren Infos – und der ein oder anderen frischen Frucht – versorgt werden. Sie scheint es sich zur Aufgabe gemacht zu haben, uns wirklich jeden Winkel der Insel näherzubringen. Für sie scheint Schweigen kein akzeptabler Programmpunkt zu sein. Hochmotiviert möchte sie uns alles über Kultur, Religion und Bildungssystem Französisch-Polynesiens beibringen. Wir sind alle wirklich sehr bemüht, stets aufmerksam zuzuhören, aber auf die Dauer ist es einfach ein bisschen viel. Und zwar nicht nur für uns Passagiere, auch A. ist nach den ersten zwei Stunden nicht mehr ganz so sattelfest und greift deshalb auf ihre «Notizen» zurück. Da sie zugleich Reiseleiterin und Fahrerin ist, muss sie kreativ werden… In den folgenden Stunden schauen wir ihr – zuerst entgeistert, irgendwann dann entspannter – über die Schulter. Während sie uns weiter um die Insel kutschiert, klemmt sie kurzerhand ihr iPad ans Lenkrad und liest uns – moderne Technik sei Dank – fortan Wikipedia- und ChatGPT-Texte vor. Sie hat sich jeweils Screenshots von «ihren» Texten gemacht, die sie dann jeweils noch in ihren Fotoalben suchen muss, da sie weder sortiert noch in der «richtigen» Reihenfolge abgelegt sind. Haben wir uns zuerst alle noch entsetzte, stumme Blicke zugeworfen, konnten wir uns mit der Zeit wieder zurücklehnen. Wir haben uns wohl alle gedacht, dass sie wohl nicht das erste Mal so rumfährt und das schon irgendwie im Griff haben wird… So verging die Zeit und wir lauschten und lauschten und lauschten. Mit knapp 1,5 Stunden Verspätung lieferte sie uns wieder im Stadtzentrum ab und verabschiedet sich herzlich von uns allen. Über die verspätete Rückkehr verliert niemand ein Wort.
Wir sind etwas erschlagen von der intensiven und lehrreichen Rundfahrt und müssen uns zuerst einmal in ein Café setzen und uns eine Stärkung gönnen. Phu, so «Nichts tun» kann ganz schön anstrengend sein.
Weniger Worte, mehr Wasser
Auf Moorea buchen wir eine Schnorcheltour der besonderen Art. Jede/r bekommt einen Sea Scooter – ein handliches Unterwasser-Gefährt, das einen per Knopfdruck durchs Meer zieht. Flossenschläge sind praktisch nicht mehr nötig und auch bei Strömung lässt sich diese problemlos queren. Es macht riesig Spass, mit diesen Dingern durchs Meer zu kurven und nach Fischen und anderen Meeresbewohnern Ausschau zu halten. War A. auf Tahiti eher «zu viel von allem», so nimmt sich der Guide auf dieser Tour eher etwas zurück… Er hat zwar die Unterwasserkamera dabei, um unseren Ausflug zu dokumentieren, doch er ist eher in eigener Mission unterwegs. Als wir von der Tour zurückkommen, zeigte er uns stolz seine Aufnahmen (sowohl Film wie auch Fotos kann man im Anschluss an die Tour kaufen) und wir staunen nicht schlecht, als darauf auch ein Hai und eine Schildkröte zu sehen sind. Uns auf diese Tiere hinzuweisen, fand er wohl nicht nötig. Wir hätten sie schon lieber «live» gesehen als nur auf den Fotos. Nebst der Dokumentation der Unterwasserwelt machte der Guide auch einige Aufnahmen der Tourenteilnehmenden. Dabei lag der Fokus allerdings vor allem auf einer einzelnen Person. Wir anderen tauchten, wenn überhaupt, höchstens am Rand auf. Letztlich stand für uns aber ohnehin das Erlebnis im Vordergrund, und dieses war dank der Sea Scooter wirklich grossartig. Wir haben jetzt auch schon einen Schritt in Richtung «Nichts tun» gemacht: immerhin geht die Fortbewegung im Wasser dank den Sea Scooter fast wie von selbst.
Adrenalin statt Auszeit
Jetzt haben wir also einen Landausflug mit sehr vielen Infos und einen Wasserausflug mit eher wenigen Infos, dafür mit viel Spass-Faktor erlebt. Als nächstes machen wir eine Kombi-Tour und probieren etwas aus, was wir schon lange einmal machen wollten: Jetski fahren!
Die Regeln sind schnell erklärt: je schneller du fährst, desto stabiler ist dein Jetski. Etwas gewöhnungsbedürftig ist es schon, wenn man sich mit einem neuen Gefährt vertraut macht und dies gleich im «Vollgas-Modus» tun soll. Mit bis zu 70 km/h bretterten wir hinter unserem Guide her, immer darauf bedacht, in seiner Fahrspur zu bleiben. Er kennt sich hier top aus, kennt jede Untiefe. Am besten ist es demnach, wenn man mit seiner Geschwindigkeit mithalten kann. Wir überwinden uns also und ziehen mit – entgegen unserem Naturell, bei einer neuen, unbekannten Aktivität zuerst langsam und vorsichtig zu agieren. Während sich der Fahrer voller Konzentration in seinen/ihren eben erst erlernten Jetski-Fertigkeiten übt, bleibt dem Sozius Zeit, sich umzusehen. Im Innern des Riffs ist das Wasser flach und die Fahrt somit angenehm und sanft. Staunend lässt man die Umgebung auf sich wirken: Linkerhand ziehen die üppig bewachsenen, grünen Hänge der Insel vorbei, wir selbst bewegen uns auf kristallklarem Wasser fort, so klar, dass man vielerorts bis auf den Grund sieht. Die Farben wechseln je nach Wassertiefe von dunkelblau bis türkis. Rechterhand nur Wasser, soweit das Auge reicht. Verlässt man die vom Riff geschützten Gewässer, ist man auf dem offenen Ozean… Nach einer «Schnorchelpause» in der Lagune, machten wir uns auf zu einem beliebten Surf-Spot, wo sich nebst Surfern auch gerne Delfine aufhalten. Dieses Mal treffen wir allerdings nur auf Surfer. Der Guide fragt unsere Gruppe, ob wir «hinter» die Wellenbrecher und über das offene Meer zurückfahren möchten. Wir wollen :-) So schwierig ist Jetski-Fahren nun auch wieder nicht, man kriegt schnell ein Gespür dafür – dachten wir! Auf der spiegelglatten Lagune mag das auch zutreffen. Ganz anders sieht es aber «dort draussen» aus. Wirklich langsamer – den Bedingungen angepasst – sind wir nicht unterwegs. Noch immer brausen wir mit rund 60 km/h übers Meer. Der Sozius hockt jetzt nicht mehr locker flockig da, schaut in der Gegend rum und knipst noch ein paar Fotos. Eher klammert er/sie sich an den/die Fahrer/in und versucht, den nächsten Aufprall zu antizipieren und so gut wie möglich abzufedern. Der/die Fahrer/in wiederum versucht, die Wellen möglichst optimal zu erwischen, den Jetski stabil und gleichzeitig das Tempo und die Spur des Guides zu halten. Das Herz pumpt, das Adrenalin rauscht – Action pur! Um den Nervenkitzel noch etwas zu erhöhen – vor allem aber, weil Michelle auch mal noch selbst fahren will – machen wir bei einem Stopp im offenen Meer noch einen Fahrerwechsel. Beginnt man normalerweise auf einem Pony am Führstrick, ist sie hier gleich auf’s Rodeo-Pferd aufgestiegen. Etwas erschöpft, aber mit einem breiten Grinsen auf den Gesichtern, treffen wir alle glücklich und unbeschadet wieder beim Ausgangspunkt ein. Was für ein Abenteuer! Schon jetzt steht fest, dass dies nicht unsere letzte Jetski-Tour in unserem Leben bleiben soll.
Am Nachmittag geht’s per Quad (ATV) weiter. Nach der rasanten Fahrt auf dem Wasser wirkt diese Tour fast etwas gemütlich. Wir tuckern hintereinander her, fahren auf kurvigen, steilen Strässchen zu unterschiedlichen Aussichtspunkten und bekommen dabei die gesamte Wetterpalette Mooreas zu spüren. Zwischendurch sind wir in den Regenponchos unterwegs und versuchen, uns die Berge durch die Nebel- und Wolkenschwaden vorzustellen, dann wieder zieht es auf, die Sonne zeigt sich und wir können auf das glitzernde Meer hinunterblicken. Der obligate Stopp in einem lokalen Restaurant inklusive Degustation darf natürlich auch nicht fehlen. Wir kosten verschiedene Marmeladen und schlürfen einen leckeren Smoothie aus vielen, frischen Früchten.
Ein weiterer Tag, an dem wir viel gesehen, erlebt und gelacht haben, geht zu Ende – nur am «Nichts tun» müssen wir noch etwas feilen.
Begegnungen unter der Wasseroberfläche
So toll die obigen Erlebnisse auch waren, den weiten Weg nach Französisch-Polynesien nimmt man nicht wegen einer adrenalingeladenen Jetski-Tour oder einer lehrreichen Inselrundfahrt auf sich. Wer hierher kommt, möchte die wundervolle Unterwasserwelt mit ihren vielfältigen, eindrücklichen und majestätischen Tieren kennenlernen. Hier liegen einige der weltweit besten Tauchgebiete und auch wer – so wie wir – «nur» schnorcheln kann, wird nicht enttäuscht.
In seichten Lagunen stehend, können wir auf Tuchfühlung mit Stachelrochen gehen. Die neugierigen, freundlichen Wesen kommen – wenn sie das Gefühl haben, dass du Futter für sie hast – wirklich ganz nah ran. Wie Hundewelpen «springen» sie manchmal an dir hoch und lassen sich sogar von dir streicheln. Ihre Haut ist samtig weich, ganz anders als wir es uns vorgestellt haben. Wenn es ihnen zu viel wird, gleiten sie ruhig wieder davon. Ein bisschen mehr Distanz – was wahrscheinlich im gegenseitigen Interesse liegt – halten die Riffhaie. Zwar kommen auch sie bis auf rund einen Meter an dich heran, doch vom «Streicheln wollen» oder bedrängen dieser Tiere sollte man absehen. Auch wenn sie – wie die Stachelrochen –, friedlich und ruhig durchs Wasser patrouillieren und eine entspannte Atmosphäre herrscht, so sind es doch wilde Tiere, denen man mit Respekt begegnen sollte. Haie haben bekanntlich Zähne – meistens sogar mehrere Zahnreihen – und ja, Haie können beissen, wenn sie sich bedroht fühlen. Genauso, wie Stachelrochen ihren Stachel einsetzen können.
Dank guter Instruktion und Begleitung von erfahrenen Guides ist der Besuch einer Lagune mit diesen beiden Tierarten allerdings unbedenklich. Sie sind sich den Touristentrubel auch durchaus gewohnt und sehr tolerant. Wir sind total fasziniert von diesen Tieren – kaum hält man den Kopf unter Wasser, schon sieht man irgendwo einen Hai oder einen Rochen vorbeiziehen und das mit einer Ruhe und Gelassenheit, die erstaunt. Sind wir doch eher ein bisschen aufgeregt und aus dem Häuschen, wenn plötzlich nur einen Meter neben dir, ein Hai seelenruhig an dir vorbeischwimmt.
Ein Stopp bei den Riffhaien und Stachelrochen gehört bei praktisch jeder Tour auf Moorea und Bora Bora zum Pflichtprogramm. Weitere Stars der Unterwasserwelt sind die eleganten Manta-Rochen. In den Gewässern um Moorea kommen sie nicht vor, doch auf Bora Bora bietet sich uns die Chance, diese sanften Riesen aus nächster Nähe zu erleben. Sie kommen an bestimmte Orte im Korallenriff, die ihnen als Putzstationen dienen. An diesen Putzstationen schwimmen sie langsam hin und her, um Putzerfischen die Möglichkeit zu geben, sie von Parasiten zu befreien. Mit einer «Flügelspannweite» von bis zu 9 Metern schweben sie unter dir hindurch. Es ist ein unglaubliches Gefühl, ein so grosses Tier in freier Wildbahn beobachten zu dürfen. Ihre Grösse, ihre Schwerelosigkeit, ihre ruhigen Bewegungen und ihr dennoch schnelles Vorankommen erinnern uns an unsere Begegnungen mit Walhaien in West Australien (den dazugehörigen Blogeintrag findest du hier).
Die warmen Gewässer Französisch-Polynesiens ziehen auch noch andere Grosstiere an. Insbesondere von August bis Oktober kommen Buckelwale hierher, um sich zu paaren und ihre Jungen zur Welt zu bringen. Wir sind von Mitte bis Ende Juli hier, die Chance auf Walsichtungen bestehen, sind aber noch nicht sonderlich gross. Wir setzen unsere Erwartungen deshalb nicht allzu hoch an, und sind dann umso freudiger überrascht, als wir auf einem Bootsausflug vor Tahiti plötzlich Buckelwale sichten. Es ist nicht das erste Mal, dass wir auf einer Bootstour in den Genuss von Buckelwalen kommen, die jeweils beim Abtauchen immer so schön ihre Schwanzflossen zeigen. Hier ergibt sich jetzt aber das erste Mal die Gelegenheit, mit ihnen Schnorcheln gehen zu können. Als wir davon erfahren, freuen wir uns einerseits riesig, andererseits ist uns auch ein wenig mulmig zumute. Mit bis zu 18 Metern Körperlänge sind sie fast doppelt so lange wie Walhaie. Unsere Vorfreude wird von den Guides aber schnell etwas gedämpft. Nur unter speziellen Bedingungen darf zu den Walen ins Wasser gegangen werden. Nebst strikt einzuhaltenden Regeln muss auch das Verhalten der Wale vorgängig genau studiert werden. Nur wenn sie in regelmässigen Abständen hochkommen, um Luft zu holen – darf man rein. Wir haben die Tiere lange vom Boot aus beobachtet und unsere Guides haben beschlossen, dass die Voraussetzungen nicht gegeben sind und wir – zum Schutz der Tiere – nicht ins Wasser dürfen. Schade, aber wir sind schon sehr glücklich, dass wir überhaupt Buckelwale zu Gesicht bekommen haben.
Generell dürfen wir uns wirklich nicht beklagen, wir haben auf Französisch-Polynesien so viele besondere Tierbegegnungen machen dürfen. Ganz hoch oben auf unserer Highlight-Liste steht ein bestimmter Ort vor Tahiti, wo sich zahlreiche Schildkröten aufhalten. Unsere Guides zeigen uns eine Schildkröte nach der anderen. Obwohl diese Tiere auch nicht sonderlich klein sind, sehen wir sie manchmal fast nicht, weil sich ihr Panzer farblich perfekt an die Korallen anpasst. Sobald wir eine Schildkröte gesichtet haben, möchten wir sie genau betrachten:
Wir beobachten sie beim Fressen, wenn sie – wie ein Fähnchen im Wind – senkrecht im Wasser schweben, beim Schwimmen sowie beim Luftholen. Sie lassen sich von uns nicht stören und wir dürfen recht nahe an die Schildkröten rangehen. Falls es einer dann doch etwas zu bunt wird, macht sie eins, zwei Flossenschläge und schon ist sie weg. Dennoch sollte man nicht zu lange bei einem einzelnen Tier verweilen, um es nicht unnötigem Stress auszusetzen. Mitunter sind wir so vom Anblick dieser Tiere gefesselt, dass wir gar nicht mitbekommen, wie unser Guide schon wieder weitergezogen ist. Wenn wir dann aufblicken, ist er meistens schon wieder ein paar Meter weiter und zeigt bereits auf eine neue Schildkröte.
Zmittag mit den Füssen im Wasser
Ständig aufs Meer schauen, nach Tieren Ausschau halten, schnorcheln – das macht hungrig. Viele Ausflüge werden deshalb mit zwei Optionen angeboten: «nur Ausflug» oder «Ausflug mit Mittagessen». Wir entscheiden uns – nicht zuletzt aus Kostengründen – meistens für die Variante ohne Mittagessen. Einmal jedoch wollen wir uns ein typisches Essen auf einem «Motu» (einem kleinen, flachen Inselchen) nicht entgehen lassen. Und es lohnt sich! Als wir ankommen, ist das Buffet bereits angerichtet. Mit einem Teller voller lokaler Köstlichkeiten suchen wir uns einen Tisch. Ein Tisch unter Palmen am feinen Sandstrand? Langweilig! Wir setzen uns lieber an einen Tisch, der direkt im seichten Wasser steht. Genüsslich verzehren wir unser Mittagessen und werden dabei von ebenso hungrigen Fischen umringt. Sie drängen sich in Scharen um unsere Füsse und hoffen, dass ein paar Leckerbissen vom Tisch runterfallen. Jaaa, wir wissen es, man sollte wilde Tiere nicht füttern, aber hier ist uns dann leider doch ab und zu «versehentlich» mal ein wenig Reis ins Wasser gefallen.
Vom Spektakel zu unseren Füssen, werden wir anschliessend zu einer kleinen Show zurück auf das Motu gerufen. Unter viel Gelächter und Applaus wird uns gezeigt, wie sich eine Kokosnuss am besten öffnen und zubereiten lässt. Danach werden wir in unterschiedliche Wickeltechniken des Pareos (einem Stofftuch, das als Wickelrock, Schulterüberwurf oder Kleid von Männern und Frauen getragen wird) eingeführt.
Müde von den vielen neuen Eindrücken und vollgegessen lassen wir uns nachher bequem per Boot zurück zu unserem Hotel bringen – den Nachmittag wollen wir ruhig ausklingen lassen. Wirklich.
Mitten unter ihnen
Doch die Begegnungen unter Wasser sind damit noch längst nicht zu Ende. Abseits der «grossen Stars» wartet eine Welt voller Farben, Formen und kleiner Wunder – oft unscheinbarer, aber nicht weniger faszinierend. Sogar wenn sich mal kein Fisch zeigt, so macht es unglaublich viel Spass, durch die Korallengärten zu schwimmen und zu staunen. Immer darauf gespannt, was sich hinter der nächsten Biegung verbirgt. Die Fische zeigen sich «wohldosiert», selten herrscht ein buntes Durcheinander und kaum einmal finden wir uns plötzlich inmitten eines grossen Fischschwarms wieder. Viel mehr trifft man auf ein paar wenige Fische, schwimmt dann eine Weile weiter, bis sich dann wieder der eine oder andere Fisch zeigt. Ganz so, als wollten sie kurz die ganze Aufmerksamkeit für sich haben – um dann, sobald man genauer hinschauen will, wieder zu verschwinden und dem nächsten Fisch Platz zu machen. Das ist etwas, was wir uns ein wenig anders vorgestellt haben. Naiverweise dachten wir uns, dass es an solchen Top-Schnorchelplätzen wie im Aquarium eines Zoos zu und her geht: Man steckt den Kopf unter Wasser und ist sofort von allerlei Fischen und anderen Meeresbewohnern umgeben. Dem ist aber überhaupt nicht so! Vielmehr befinden sich die Tiere meist an ganz bestimmten Stellen, die nicht «einfach so» gefunden und besucht werden können. Diese werden von Tourenanbietern gezielt angefahren. Es gibt dann also den Riffhai-Stachelrochen-Stopp, den Korallengarten-Stopp, den Manta-Putzstation-Stopp, usw. Eine Durchmischung der Tierarten findet man kaum.
Wir hatten auch die Vorstellung, dass wir dieses «Aquarium-Feeling» direkt vom Strand unserer Hotels erleben können. Auch das ist nicht der Fall (zumindest bei vielen Hotelanlagen nicht). Je nachdem befinden sich zwar einige Korallenblöcke auf dem Hotelareal, aber wirklich was Buntes oder Eindrückliches haben wir hier nicht entdecken können. Umso wichtiger ist es deshalb, dass solche Touren gebucht werden. Denn wer sich nur kurz von der Strandliege für einen kurzen «Schwumm» ins Meer bewegt und sich danach den Rest des Tages auf der Liege sonnt, der wird von der magischen Unterwasserwelt nicht viel mitbekommen. Zu dieser Erkenntnis sind wir schnell gekommen. So ist aus unserem ursprünglichen Plan von unseren «Ferien vor dem Reisen» und damit verbunden einem «Entspannen in der Südsee» (lies dazu auch unseren vorherigen Blogeintrag) nicht ganz so viel geworden. Es wäre einfach Jammerschade gewesen, wenn wir all diese Erlebnisse zugunsten von Erholung nicht hätten machen können. In unseren Augen war es eine Zeit des «aktiven Entschleunigens», denn obwohl wir oft unterwegs waren, war den Rhythmus dennoch ein anderer. Wir mussten uns lediglich rechtzeitig am Treffpunkt einfinden, die restliche Planung und Organisation liegt dann in den Händen der Guides. Nie hatten wir das Gefühl, durch die Gegend zu hetzen. Sobald man im Wasser ist, bleibt die Zeit stehen – in dieser völlig anderen Welt vergisst man alles um sich herum.
Ob über Wasser, unter Wasser oder irgendwo dazwischen: Jede Tour hat uns eine andere Facette dieser Inselwelt nähergebracht. Mal laut und rasant, mal leise und ehrfürchtig, oft überraschend. Und vielleicht ist genau das unsere Version von Entspannung – nicht das Abschalten, sondern das bewusste Erleben. Statt still zu sitzen, wollen wir sehen, verstehen, eintauchen!
Unsere schönsten Südsee-Eindrücke findest du hier.