#43: Wandern in der Wildnis Alaskas – aufmerksam unterwegs


Australien – das Land der giftigen Tiere – haben wir nun ja hinter uns gelassen. Wir sind nicht unglücklich, dass wir nicht mehr bei jedem Schritt nach Schlangen Ausschau halten müssen. Doch so unbeschwert wie in Neuseeland, wo es ausser einer reichen Vogelwelt nur sehr wenige einheimische Wildtiere und kaum giftige Tiere gibt, lässt es sich hier in Nordamerika dann doch wieder nicht wandern. Es gibt durchaus ein paar Tiere, auf deren Begegnung man sich vorbereiten und von denen man sich in Acht nehmen sollte. Statistisch gesehen am gefährlichsten sind nicht etwa Bärenbegegnungen, sondern Begegnungen mit Elchen. Wir sind häufig zu Fuss unterwegs, unternehmen zahlreiche Wanderungen und treffen auch immer wieder auf Spuren, die auf die Präsenz von Meister Petz und Co. hindeuten. Immer mit einem Bärenspray ausgerüstet, unternehmen wir aber auch sonst alles, um kein Tier zu überraschen und so einen Angriff zu provozieren. Trotzdem kommen wir bereits in der zweiten Woche in eine potenziell gefährliche Situation…

Rendez-vous mit einem Elch

Wir überlegen lange hin und her, ob wir die Wanderung hoch zum «Lion’s Head» überhaupt noch in Angriff nehmen sollen. Es ist bereits später Nachmittag, wir haben noch keinen Übernachtungsplatz und müssen morgen fit sein für die gebuchte Eiskletter-Tour. Michelle war schon mal auf dem Lion’s Head und weiss, wie toll die Aussicht dort oben über den Matanuska Glacier ist. Die Wanderung ist zudem nicht lang, allerdings täuscht die Distanz, denn der Weg ist alles andere als gut ausgebaut und führt steil nach oben. «Weg» ist eine Übertreibung, viel mehr sucht sich jede/r seine/ihre eigene Route und hangelt sich an Ästen, Wurzeln und Grasbüscheln den Hügel hinauf.

Wir beschliessen, erst mal zu parken und zurückkehrende Wanderer zu fragen, wie die Bedingungen sind.  Wenig später kommt uns ein Paar mit einem Kleinkind auf dem Rücken entgegen. Sie meinen, dass der Weg relativ gut zu begehen sei, es sei nicht sonderlich matschig und auch nicht sehr rutschig – ausserdem haben sie ja noch das Kleinkind hochgetragen. Es sei also durchaus machbar und für uns – ohne zusätzlichen Ballast – überhaupt kein Problem. Da ausserdem das schöne Wetter nach dem morgigen Tag wieder kippen soll, entscheiden wir, die Wanderung doch noch in Angriff zu nehmen. Als Zeitüberbrückung kochen wir zuerst Abendessen, da wir die Sonne nicht mehr ganz so hoch stehen haben wollen, wenn wir oben ankommen und fotografieren. Erst um 18 Uhr machen wir uns auf den Weg – dunkel wird es so hoch oben im Norden noch lange nicht. Mittlerweile sind kaum mehr Fahrzeuge auf dem Parkplatz. Auf dem Aufstieg kommen uns noch die letzten Wanderer entgegen. Es sieht ganz danach aus, als hätten wir den Lion’s Head für uns allein. Andererseits finden wir es in der rauen Wildnis Nordamerikas auch immer beruhigend, wenn man noch die eine oder andere Wandergruppe in der Nähe weiss. Während wir also den Berg hochkraxeln, stellen wir uns bei einigen Passagen vor, wie wir da dann unbeschadet wieder runterkommen sollen. Da jedoch so viele Wege nach Rom – respektive auf den Lion’s Head – führen, haben wir ja vielleicht Glück und kommen auf dem Abstieg an diesen besagten Stellen nicht mehr vorbei. Wir malen uns aus, wie das Ganze unter nassen Bedingungen zu bewältigen wäre (unser Tipp: Füsse weg von dieser Wanderung bei schlechten Bedingungen! Wirklich!) und staunen über das Paar, das hier ihr Kleinkind in der Rückentrage hochgeschleppt hat. Wir hätten uns das nicht getraut.

Heil oben angekommen, bewundern wir die fantastische Aussicht. Wir sehen fast die komplette Länge des Matanuska Glacier, blicken hinunter ins Flussbett, wo sich kleine blaue Seen gebildet haben, und geniessen das 360°-Bergpanorama. Ganz allein sind wir dann doch nicht. Wir treffen auf einen Europäer, der zwar eigentlich auf den Gletscher wollte, dann aber – seine Gedankengänge sind für uns nicht ganz nachvollziehbar – irgendwie mit seiner gesamten Campingausrüstung hier oben gelandet ist und nun die Nacht auf dem Lion’s Head verbringt. Nachdem wir das beeindruckende Panorama ausgiebig genossen haben, machen wir uns auf Abstieg. Dem Rückweg sehen wir eher verhalten entgegen. Aber: wir haben Zeit, können es langsam angehen lassen und vorsichtig absteigen. Tatsächlich geht es einfacher als befürchtet. Wir kommen unbeschadet unten an und müssen jetzt nur noch ein kurzes Stück geradeaus durch den Wald, bevor wir bei einer Mobilfunksender-Station rauskommen und dort nochmals ein Stück auf einer Service-Strasse zurück zum Parkplatz gehen müssen. Ein Kinderspiel. Basil geht voraus, da der Trampelpfad durch den Wald zu schmal ist, um nebeneinander zu gehen. Seine Wanderstöcke sind seitlich an seinem Rucksack befestigt. Hier brauchen wir sie nicht mehr. Gerade als er über einen umgefallenen Baumstamm steigt und sich seine Stöcke in den herabhängenden Ästen zu verheddern drohen, bleibt er plötzlich wie angewurzelt stehen und raunt: «Da vorne ist ein Elch!»
Michelle, die ausser Basils Rückansicht und Wald nichts sieht, denkt nur: f*** – und flüstert zurück:
«Wo? Wie weit weg? In welche Richtung schaut er? Ich sehe nichts.»
«Ziemlich nah auf dem Weg, vielleicht so 15 Meter. Ich glaube, er geht in dieselbe Richtung wie wir.»
«Meinst du, er hat uns gesehen?»
«Ich weiss nicht.»
«Okay, komm langsam zu mir zurück. Du musst dich aber bücken, sonst bleibst du mit den Stöcken hängen. Ich habe den Bärenspray. Zur Not spraye ich ihn… Siehst du ihn noch?»
«Nein.»
Da stehen wir jetzt also auf einem schmalen Pfad mitten im Wald und können weder nach links noch nach rechts ausweichen. Zum Glück scheint der Elch in die gleiche Richtung wie wir zu gehen. Elche sind riesig und in dem dichten Waldstück würde wahrscheinlich auch er lieber auf dem Pfad bleiben, statt sich durchs Buschwerk zu schlagen. Für einen Moment stehen wir einfach da und wissen nicht weiter. Sollen wir leise bleiben und hoffen, dass er uns nicht bemerkt hat? Oder genau das Gegenteil tun und Radau machen, um ihn in die Flucht zu schlagen? Wir entscheiden uns für eine Mischvariante: bleiben zuerst noch eine Weile geräuschlos stehen und spähen wie gebannt auf den Weg vor uns. Ist er wirklich weg? Wo er wohl hingegangen ist? Hat er uns eventuell wirklich gar nicht wahrgenommen? Das wäre einerseits gut, andererseits wollen wir auch nicht stumm weiterschleichen, nur um ihn dann später zu überraschen. Wir können auch nicht ewig auf dem Weg stehen bleiben. Also packen wir unsere Wanderstöcke aus, schlagen sie gegeneinander und rufen dem ominösen Elch zu, dass wir jetzt kommen. Er möge doch bitte dortbleiben, wo er ist, sodass wir zurück zum Camper laufen können. Wir sehen und hören nichts mehr vom Elch – so unvermittelt wie er vor uns aufgetaucht ist, ist er auch wieder mit der Umgebung verschmolzen. Wir kommen ziemlich erledigt beim Camper an und sind heilfroh, dass dieses Rendez-vous so glimpflich ausgegangen ist.

Vorsicht Bären – Warnschilder und unterschiedliche Herangehensweisen

Nur drei Tage später stehen wir beim Wanderparkplatz des Reed Lakes Trails und starren auf das rote Warnschild mit dem Text: «Ein lebhafter und überaus neugieriger Braunbär hält sich an den Beaver Ponds auf, die sich bei Meile 2 des Reed Lakes Trail befinden. Nehmen Sie Bärenspray mit. Seien Sie vorsichtig.» Okay, da sind wir raus. Unsere Elchbegegnung steckt uns noch immer in den Knochen. Wenn schon bekannt ist, dass sich hier ein aufdringlicher Bär rumtreibt, dann gehen wir sicher nicht noch extra dorthin und fordern unser Glück heraus. Schade zwar, denn auf diese Wanderung haben wir uns echt gefreut, doch Sicherheit geht vor. Wir besprechen auf dem Parkplatz, was wir nun als Alternativprogramm machen wollen, als ein Ranger angefahren kommt. Schnell springt Basil aus dem Fahrzeug und hält den Ranger an. Es stellt sich heraus, dass sich der Bär seit über drei Wochen nicht mehr gezeigt hat und wir guten Gewissens zu den Reed Lakes wandern können. Natürlich sind wir froh über die Info, denken uns aber auch, dass es ja noch Sinn machen würde, wenn man solche Hinweisschilder mit einem Datum und bestenfalls sogar mit dem Datum der letzten Sichtung versehen würde. Etwas erstaunt sind wir, dass sich auf dem Trail so viele Menschen tummeln: Familien mit Kindern, Trailrunner, Hunde – wir sind bei weitem nicht allein unterwegs. Das Warnschild scheint auf viele keinen Eindruck zu machen, geschweige denn, sie von der Wanderung abzuhalten. Die lokalen Leute scheinen daran gewöhnt zu sein, dass sie unterwegs auf Bären, Elche, Pumas oder Wölfe stossen können. Die Herangehensweise der Wanderer könnte unterschiedlicher nicht sein: auf die eine oder andere Weise sind die meisten «bewaffnet». Während viele einen Bärenspray mit sich tragen, in Gruppen wandern, Geräusche machen und vielleicht noch irgendwo ein Glöckchen bimmeln lassen, begegnen wir auch unzähligen Menschen, die den Begriff «bewaffnet» wortwörtlich nehmen und mit Pistolen oder Schrotflinten unterwegs sind. Spätestens da wird uns klar, in welchem Land wir uns aufhalten… Schielen wir zu Beginn noch verstohlen auf die Waffen und raunen einander zu, dass er oder sie eine Waffe trägt, wird es schon bald zur Normalität. Wir schätzen, dass wohl etwa 40% mit echten Waffen unterwegs sind… Nebst den Bärenspray- und Waffenträgern gibt es natürlich auch die ganz Unbekümmerten, die gegen alle Verhaltensregeln in Bärengebieten verstossen. Anstatt in Gruppen unterwegs zu sein, Geräusche zu machen (schwatzen, singen, klatschen, rufen), die Umgebung aufmerksam zu beobachten und sich nicht wie ein Fluchttier zu verhalten – also zum Beispiel nicht zu rennen – beobachten wir immer wieder eine besondere Spezies auf den Wanderwegen: Trailrunner mit Kopfhörern in den Ohren.

Von einem Bären ist auf der gesamten Wanderung weit und breit keine Spur. Wahrscheinlich ist ihm jetzt – mitten in der Hochsaison – das bunte Treiben auf dem Wanderweg zu belebt geworden und er hat sich in ruhigere Gefilde zurückgezogen. Den Bärenspray haben wir dennoch (wie auf jeder Wanderung) griffbereit und machen in unübersichtlichen Passagen auch immer durch lautes Schwatzen oder Rufen auf uns aufmerksam, um «Überraschungs-Begegnungen» zu vermeiden.

Noch ein weiteres Mal werden wir auf einer Tafel auf einen Bären aufmerksam gemacht. Dieses Mal stehen wir beim Portage Pass Trail und lesen: «In der Gegend treibt sich ein aggressiver Schwarzbär herum. Seien Sie äusserst vorsichtig.» Hier hat sich der Ranger die Mühe gemacht und ein Datum hingeschrieben: 10. Juni 2025. Also gut, wir sind zweieinhalb Monate später hier – wird schon schiefgehen. Die Autos auf dem Parkplatz verraten, dass bereits ein paar Leute vor uns auf dem Trail unterwegs sind und hoffentlich den Weg für uns «ebnen». Erneut sind wir extra aufmerksam und das eine oder andere Mal ist uns dann doch etwas mulmig zumute, als wir an verdächtig frisch glänzendem Bärenkot mitten auf dem Wanderweg vorbeikommen. Doch auch dieses Mal zeigt sich uns kein Bär, schon gar kein aggressiver. Ein Rest Nervenkitzel bleibt – ganz entspannt sind wir nicht.

Plötzlich froh um andere Fahrzeuge

Gott sei Dank stehen bei weitem nicht bei jeder Wanderung irgendwelche Warnschilder. Tatsächlich hat sich unser Weg nur auf der «Lion’s Head»-Wanderung mit einem potenziell gefährlichen Tier gekreuzt und bis auf die beiden erwähnten Warnschilder, haben wir keinen weiteren mehr angetroffen. Das bedeutet natürlich nicht, dass auf den übrigen Wanderwegen keine Wildtiere anzutreffen sind. Überall besteht die Chance, wilden Tieren zu begegnen. Weil wir uns das aus der Schweiz nicht gewohnt sind, schwingt (mehr oder weniger) unterschwellig auch immer ein bisschen ein diffuses Unbehagen mit, wenn wir in der Wildnis Nordamerikas unterwegs sind. Aus diesem Grund freuen wir uns auch jedes Mal, wenn auf einem Wanderparkplatz noch weitere Fahrzeuge stehen. Sie zeigen, dass noch andere Leute unterwegs sind, bestenfalls schon «vorgespurt» und Tiere in Wegesnähe aufgescheucht haben. Eine willkommene mentale Beruhigungshilfe und gleichzeitig ein wenig ein paradoxes Phänomen: Nie würden wir in der Schweiz auf die Idee kommen, uns andere Fahrzeuge auf dem Parkplatz zu wünschen. Möglichst früh geht man los, um überhaupt einen Parkplatz zu kriegen oder den gröbsten Menschenmassen auszuweichen. Möglichst allein unterwegs sein lautet da die Devise.

Was uns hier in Alaska besonders fasziniert: man ist praktisch überall von unberührter Natur umgeben. Lässt man den Blick auf einer Wanderung schweifen, stösst man auf keinerlei Zeichen von Zivilisation. Da sind keine verwaisten Schneekanonen, die auf ihren nächsten Einsatz warten, keine Bahnen, die einem bequem auf den Berg transportieren, keine Alphütten mit lauschigen Terrassen, die zu einem kühlen Bier und einem «Plättli» einladen, keine Kuhweiden, keine Fahnenmasten, keine Hochspannungsleitungen. Einfach nichts.

Gletscherwelten

Stattdessen gibt es fast keine Wanderung, wo man nicht mindestens einen Gletscher in der Umgebung ausmachen kann. Sind sie manchmal nur in der Distanz sichtbar, so gibt es wiederum auch solche, die einem auf einer gesamten Tageswanderung begleiten. Eine unserer Lieblingswanderungen führt den Exit Glacier entlang bis hoch zum Harding Icefield. Die Wetterprognosen sind für jenen Tag nicht allzu gut. Zwar sollte es mehrheitlich trocken bleiben, doch für diese Wanderung benötigen wir vor allem gute Sicht. Für die rund 16 Kilometer lange Strecke und die über 1000 Höhenmeter, sind wir schätzungsweise etwa sechs Stunden unterwegs. Eine lange Zeit, in der das Wetter jederzeit umschwingen kann. Die Berge sind nebelverhangen. Mal lichten sich die Schwaden, dann verdichten sie sich wieder. Im obersten Teilstück liegt sogar noch etwas Schnee. Als wir hier ankommen, ist die Sicht gerade sehr schlecht. Wir überlegen uns, ob es sich unter diesen Bedingungen überhaupt lohnt, das letzte Teilstück noch zu gehen. Der Weg ist zwar gut markiert und erkennbar, aber was nützt es uns, wenn wir oben sind und von dichtem Nebel umgeben sind, der die Umgebung komplett verschluckt? Wir lassen es darauf ankommen und gehen den ganzen Weg. Oben warten wir und geniessen erstmals unser Lunchpaket. Wir sind gut vorangekommen und müssen nicht hetzen, perfekt also, um dem Schauspiel aus Wolken, Nebel und Sonnenschein zu folgen. Die Sonne hat an diesem Tag einen schweren Stand gegen die Wolken und den Nebel. Sie schafft es einfach nicht, diese zu vertreiben und uns einen freien Blick auf die gigantische Eiskappe des Harding Icefields zu gewähren. Das Licht ist diffus, manchmal können wir kaum unterscheiden, was noch Eis und was bereits Himmel (respektive Wolke/Nebel) ist. Wie aus dem Nichts tauchen plötzlich Berge auf, nur um wenig später wieder zu verschwinden. Auf dem gleichen Weg geht es wieder zurück. Trotzdem halten wir häufig an und blicken auf den Gletscher runter. Dank des wechselhaften Wetters eröffnen sich uns immer wieder neue Perspektiven.

Die kleinen Begegnungen

Auch wenn wir uns an der weitläufigen Aussicht in unberührter Natur kaum sattsehen können, lohnt sich auch der Blick auf den Boden und die nähere Umgebung immer wieder. Hier leben nicht nur grosse und «gefährliche» Tiere, die man häufig – und in unseren Augen glücklicherweise – nicht zu Gesicht bekommt, sondern auch viele kleine, putzige Weggefährten.

Eine Wanderung bleibt uns ganz besonders gut in Erinnerung. Wir sind im Denali National Park auf einer unserer ersten Wanderungen unterwegs. Kaum sind wir losgelaufen, entdecken wir zwei Schneehühner in der Tundralandschaft. Halb hinter Steinen versteckt, beäugen sie uns etwas skeptisch – ganz geheuer scheinen wir ihnen nicht zu sein. Wir lassen sie in Ruhe und machen bereits kurze Zeit später eine neue tierische Entdeckung: regungslos und perfekt mit der Umwelt verschmolzen, sitzt auf einem Felsbrocken ein kleiner Pfeifhase. Er scheint die Wärme des Steins und den Ausblick auf den Denali zu geniessen. Vorsichtig schiessen wir ein paar Fotos und stören das kleine Kerlchen dann nicht weiter.

Es dauert nicht lange, bis wir einen kleinen Aussichtspunkt mit phänomenaler Sicht über den Denali National Park und den Denali erreichen. Dieser Aussichtspunkt ist nicht nur bei uns Menschen, sondern auch bei den frechen und scheinbar immer hungrigen Erdhörnchen beliebt. Zwischen den verstreut sitzenden Leuten huschen die flinken Hörnchen umher. Ihre Mission ist klar: sie wollen an unseren Proviant. Obwohl es natürlich untersagt ist, Wildtiere zu füttern, zeigt ihr Verhalten, dass sie an diesem Picknickplatz regelmässig Erfolg haben. Einige können wohl dem Charme der Erdhörnchen nicht widerstehen, wenn sie einen aus ihren Kulleraugen so herzerwärmend anschauen. Sollten die Bettelblicke ihre Wirkung verfehlen, scheuen die Erdhörnchen auch vor Körperkontakt nicht zurück. Frech stehen sie direkt vor dir – oder sogar auf deinem Schuh – schauen dich vorwurfsvoll von unten an: So Mutti, rück mal raus mit dem Zeugs! Stossen sie noch immer auf Widerstand, ist der nächste unbeaufsichtigte Snack meist nicht weit entfernt und wird kurzerhand stibitzt. Hier Pause zu machen, ist auf jeden Fall unterhaltsam – ganz zu schweigen von der Aussicht, die selbst die Erdhörnchen zu schätzen wissen.

So sehr wir die Begegnungen mit kleinen Weggefährten schätzten und so froh wir auch sind, auf unseren Wanderungen nie in wirklich brenzlige Situationen gekommen zu sein, so gerne möchten wir doch noch Bären beobachten können. Nicht auf einer Wanderung, auch nicht aus dem Auto heraus, sondern am liebsten in einem «sicheren Rahmen» auf einer geführten Bärenbeobachtungstour. So, dass wir nah genug dran sind, um das Verhalten und die Persönlichkeit der Bären erfassen zu können und trotzdem weit genug entfernt, dass wir sie nicht stören und für uns selbst keine Gefahr besteht. Von «unseren» Bären erzählen wir im nächsten Blog.

Fotos von unseren Wanderungen in Alaska findest du in verschiedenen Galerien: Kenai-Halbinsel, Crow Pass & Raven Glacier, South Fork Valley, Hatcher Pass, Denali National Park, Wrangell-St. Elias National Park oder auch Glenn Highway.

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#42: Wo wir stehen bleiben – Campen in Alaska und Kanada