#44: Im Reich der Bären


Eine Bärenbeobachtungstour in Alaska stand ganz oben auf unserer Wunschliste. Zwar stehen die Chancen gut, dass man auch «einfach so» Bären zu Gesicht bekommt, beim Wandern oder im Vorbeifahren beispielsweise. Ein überraschendes Zusammentreffen mit einem Bären während einer Wanderung möchten wir vermeiden, was uns auch erfolgreich gelungen ist (siehe auch #43: Wandern in der Wildnis Alaskas – aufmerksam unterwegs). Ein Bär am Strassenrand ist eine deutlich sicherere Variante. Allerdings sind die Bedingungen vielmals suboptimal: entweder verschwindet der Bär sofort im Gebüsch oder es gibt keine geeignete Haltemöglichkeit oder der Bär befindet sich noch auf der Strasse… Dann kann er zwar gut beobachtet werden, doch wir wollen Bären in der Natur – nicht auf Asphalt.

Tourbuchung mit kleinen Hindernissen

Wir reisen bereits seit drei Wochen durch Alaska und haben – bis auf drei Bären im Denali National Park in weiter Ferne – noch keine Bären gesehen. Von der Kenai-Halbinsel aus gibt es ein paar exzellente Ausgangspunkte für Bärenbeobachtungstouren. Allen voran könnte man von hier aus Ausflüge zu den weltberühmten Bären an den Brooks Falls im Katmai National Park machen. Da diese Ausflüge unglaublich teuer sind, entscheiden wir uns für eine näher gelegene Region. Es soll zu den Bären am Crescent Lake im Lake Clark National Park gehen. Für kommenden Sonntag ist perfektes Wetter angesagt, also rufen wir beim Veranstalter an. Gemäss Website gibt es noch verfügbare Plätze, wir sind also zuversichtlich. Am Telefon erfahren wir allerdings: Sonntags finden in der Regel keine Touren statt – auch wenn es auf der Website als «buchbar» erscheint. Ihr Pilot geht dann nämlich in die Kirche :-) Sie können uns jedoch gerne auf die Tour am Samstag buchen, da habe es nämlich noch freie Plätze. Ok, dann halt Samstag – wir sind ja flexibel. Per Mail erhalten wir die Anfahrtsbeschreibung zum Wasserflugzeug-Flughafen. Als Erste stehen wir am Treffpunkt. Wir packen noch die letzten Dinge ein, machen ein paar Fotos vom Wasserflugzeug bei schöner Morgenstimmung. Langsam dürfte zumindest der Pilot auftauchen. Weit und breit ist allerdings keine Menschenseele zu sehen. Nun ja, in Alaska ticken die Uhren etwas anders und wir haben ja Zeit. Also warten wir noch ein wenig. Irgendwann rufen wir dann aber doch beim Veranstalter an. Es tue ihnen sehr leid, sie hätten uns zu kontaktieren versucht, doch sie seien nicht durchgekommen (wir waren noch auf der «falschen» eSIM eingeloggt). Die Tour müsse aufgrund widriger Wetterverhältnisse am Zielort leider storniert werden. Ob wir denn auch morgen könnten? Etwas verwirrt bejahen wir: Natürlich. Aber war da nicht etwas mit dem Gottesdienst? Nun ja, die Tour würde deshalb erst am Nachmittag starten und dann bis ca. 19 Uhr dauern. Ob das in Ordnung sei? Jaja, kein Problem – dies sei ja sowieso unser Wunschtag gewesen.

Jetzt ist es morgens kurz nach 8 Uhr. Wir haben nun also einen ganzen Tag zur freien Verfügung. Wir schustern uns kurzerhand ein neues Tagesprogramm zusammen und stehen am nächsten Tag – dieses Mal erst kurz nach Mittag – wieder bei der Wasserflugzeug-Basis.

Abflug ins Reich der Bären

Dieses Mal sind wir die zweiten vor Ort, ein gutes Zeichen. Kurz darauf sind wir vollzählig: ein Pilot (er ist gleichzeitig auch unser Guide) sowie vier weitere Gäste. Wir sind alle gutgelaunt und freuen uns auf den Nachmittag.

Der Anflug ist schon spektakulär (deshalb gibt es dazu auch eine eigene Bildergalerie). Auf dem rund 40-minütigen Flug überqueren wir den Cook Inlet, fliegen über unberührte Wildnis und landen schliesslich auf dem spiegelglatten, türkisfarbenen Crescent Lake. Die Bedingungen sind perfekt. Die Landung ist so sanft, dass wir sie kaum bemerken. Zudem entdecken wir bereits beim Anflug mehrere Bären am Ufer. Mit ein Grund, weshalb unser Fokus nicht auf der Wasserlandung liegt.

Mit dem Wasserflugzeug können wir bis dicht ans Ufer fahren, sodass wir trockenen Fusses an Land kommen. Jetzt kommt die «kritische Phase»: Da wir heute ausnahmsweise nur mit einer einzigen Person unterwegs sind – Pilot, Guide und Bootsführer in einem –, muss er uns am Ufer des Sees beim Wasserflugzeug zurücklassen und das Boot holen gehen. Er nimmt den einzigen Bärenspray mit und meint, wir sollen ein bisschen aufmerksam sein und uns – falls ein Bär vorbeikommen sollte – auf die Schwimmer des Flugzeugs zurückziehen. Etwas mulmig ist uns dabei schon zumute. Die Büsche kommen bis fast ans Ufer heran, die Sicht ist entsprechend eingeschränkt. Und wir haben ja beim Anflug, sprich wenige Minuten zuvor, bereits Bären gesichtet. Aber können sie sich bitte erst dann zeigen, wenn wir alle zusammen im Boot sitzen? Als dann die Hälfte der Gruppe den Zeitpunkt als besonders geeignet erachtet, um sich noch rasch im Gebüsch zu erleichtern, sind wir schon etwas perplex. Wieso um Himmels Willen muss die Gruppe sich genau in den zehn Minuten, die wir ohne Guide und Bärenspray, verteilen und jeder für sich ins Gebüsch kauern?

Kaum sitzen wir im Boot, geschieht das:

Wie von uns gewünscht taucht bereits der erste Bär auf: Er kommt aus dem Gebüsch, schlendert seelenruhig am Ufer entlang, macht einen grossen Schritt über die Befestigungsleine unseres Wasserflugzeugs und zottelt weiter. Weiter vorne macht sich eine zweite Gruppe startklar.

Der Bär beschliesst, bei dem Trubel lieber die Seeseite zu wechseln. Warum um den See laufen, wenn man hindurchschwimmen kann? Insbesondere bei einem solch strahlend schönen und warmen Tag wie heute und wenn man sich zwischendurch noch einen kleinen Happen angeln kann? So wird unser erster Bär am Crescent Lake der «Schwimmer» getauft. Er schwimmt und planscht und fischt und frisst, und lässt sich dabei von uns überhaupt nicht stören. So kommt es, dass wir bereits kurz nach Start der Bootstour über 1000 Fotos im Kasten haben. Nach ausgiebiger Beobachtungszeit überlassen wir «den Schwimmer» wieder sich selbst und halten Ausschau nach weiteren Bären.

Schon nach kurzer Zeit werden wir fündig: Es folgt ein kurzer Auftritt des «Strandgängers». Wir beobachten, wie er entspannt den Kiesstrand entlanggeht und Kurs auf unser Wasserflugzeug hält. Bevor er dem Flugzeug zu nahekommt, biegt er ins Gebüsch ab und verschwindet wieder aus unserem Sichtfeld. Bis zur nächsten Sichtung müssen wir uns etwas gedulden. Wir fahren dem Ufer entlang und starren konzentriert auf die Uferzonen. Lange Zeit will sich kein Bär mehr zeigen. Wir erfreuen uns indes am grandiosen Panorama, geniessen den warmen Sommertag und die nette Gesellschaft an Bord. Es geht kein Lüftlein, der See ist absolut ruhig – noch nie war Warten so entspannt.

Die Wartezeit hat sich gelohnt: Wir treffen auf den «Halbstarken». Auch ohne grosse Bärenkenntnisse hat man sofort gemerkt, dass es sich hier um ein Jungtier handelt. Zwar schon allein, aber doch noch mit einer Unbeschwertheit und Verspieltheit unterwegs, erkennbar auch an seiner schlaksigen Figur – ein typischer Teenager eben. Hier ein bisschen fischen, da ein wenig mit einem Stück Holz spielen, dann wie von der Tarantel gestochen den Strand entlang rennen. Sich ins Wasser stürzen, um die eigene Achse drehen, dann wieder raus aus dem Wasser. Dann eine plötzliche Unsicherheit. Irgendetwas scheint in der Luft zu sein. Wir sehen zwar nichts, doch der Halbstarke hat ganz klar Witterung aufgenommen. Er stellt sich auf die Hinterbeine, versucht die Quelle des Geruchs auszumachen. Er ist ganz klar verunsichert, alle Unbeschwertheit ist weg. Nach einigen Minuten scheint die unsichtbare Gefahr gebannt zu sein. Jetzt sind Planschen und Fischen wieder spannender – ganz à la «aus der Nase, aus dem Sinn»!

An einer Stelle, wo ein kleiner Fluss in den See mündet, lernen wir als letztes «Mama-Bär und ihr Junges» kennen. Sie befinden sich mitten im Angel-Unterricht. Die Mutter wirft sich immer wieder ins seichte Wasser – sie ist ein perfektes Fotomotiv. Das Wasser spritzt in alle Richtungen, ihr Blick ist fokussiert, immer wieder zappelt ein fetter Fisch zwischen ihren Tatzen. Ihr Junges imitiert sie fleissig und kann auch schon erste kleine Erfolge verzeichnen. In Wirklichkeit ist es eine spielerische Übungslektion. Auf den Bildern wirkt es jedoch wie ein dramatischer Überlebenskampf.

Weitere Bilder zu «unseren» fünf Bären am Lake Crescent gibt es in dieser Galerie. Findest du heraus, wer wer ist?

Ein bärenstarker Tag geht zu Ende

Dieser Tag ist in vielerlei Hinsicht wertvoll gewesen. Wir haben hier nicht nur neue Freunde kennengelernt (mehr zu dieser Geschichte erfährst du in einem späteren Blog), sondern auch Bekanntschaft mit fünf Bärenpersönlichkeiten machen dürfen. Wir hoffen, dass wir mit diesem Bericht zeigen konnten, dass es unter kontrollierten Bedingungen und bei korrektem Verhalten, zu friedlichen Begegnungen kommen kann. Wer genau beobachtet, wird schon sehr bald die Körpersprache des Tieres und seine Charaktereigenschaften lesen können. Das Raubtier – oder gar die Bestie – wird dann zu einem greifbaren Gegenüber. Wer nicht gleich in die Wildnis Alaskas reisen will, um diese Fähigkeit zu trainieren, kann sich auch ganz einfach an Hunden probieren. Irgendein «Kläffer» ist überall schnell gefunden. Ist es ein freudiges «komm spiel mit mir»-Bellen, ein verängstigtes «geh weg von mir, ich mach mir gleich selbst in die Hosen»-Bellen, ein aufmüpfiges «hey jo, wer ist der krasseste hier auf der Wiese»-Bellen oder ein bestimmtes «kein Schritt weiter, das ist MEIN Revier»-Bellen?

Wie sicher ist «sicher»?

Später auf unserer Reise kommen wir am Fish Creek nochmals in den Genuss von Bären – dieses Mal jedoch in einem anderen Rahmen. Vom Parkplatz sind es nur wenige Meter bis zu den leicht erhöhten Plattformen mit Geländern und schliessbaren Eingangstürchen, die sichere Beobachtungsmöglichkeiten versprechen. Während der «Hauptsaison» sind hier während den Öffnungszeiten Ranger vor Ort und schauen, dass sich Bären und Touristen ordentlich benehmen. Wir kommen nur wenige Tage nach Abschluss der Hauptsaison hierher. Der kleine Vorteil: wir müssen die – sowieso schon geringe – Eintrittsgebühr nicht mehr verrichten. Der grosse Nachteil: die Ranger sind nicht mehr zwingend vor Ort.

Bei unserem ersten Stopp glänzen alle durch ihre Abwesenheit: Ranger, andere Touristen, Bären. Wir spazieren in unserer Regenkleidung ein wenig den Holzsteg auf und ab, halten Ausschau, können aber ausser ein paar Möwen und (halb)toten Fischen keine weiteren Tiere entdecken. Uns bleibt deshalb genügend Zeit, um die Beobachtungsplattform etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Weite Teile des Holzstegs befinden sich nur wenige Zentimeter über Boden. Die Holzzäune scheinen in unseren Augen etwas gar mickrig. An vielen Stellen sind sie lediglich etwa hüft- bis bauchnabelhoch, wie ein ganz normaler Gartenzaun. Für einen Ort, wo zu Spitzenzeiten viele Menschen auf viele Bären treffen, erscheint uns diese Vorrichtung nicht allzu vertrauenswürdig. Allerdings ist es eine etablierte Bärenbeobachtungsanlage, also wird er wohl seinen Zweck erfüllen. Dem Anschein nach kennen hier sowohl Mensch wie Tier die Regeln und halten sich daran. Wir wähnen uns in Sicherheit, lassen sogar den Bärenspray im Fahrzeug. Da wir nichts allzu Spannendes entdecken und es immer stärker regnet, beschliessen wir, am nächsten Tag unser Glück nochmals zu versuchen.


Auge in Auge mit Mister Petz

Am nächsten Morgen sind bereits Ranger vor Ort, als wir eintreffen. Sie lotsen uns schnell durch das Türchen auf den Holzsteg und erklären uns, dass sich linkerhand im Bach ein ca. 5-jähriger, männlicher Braunbär aufhalte. Wir hoffen, dass er vom Bach unter dem Steg hindurch rüber in die schöne, blaue Lagune wechselt. Nicht nur ist das milchig blaue Wasser die schönere Umgebung für Fotos, sondern auch der Aufnahmewinkel ist hier flacher. Wie von uns gewünscht, verlässt der Braunbär nach kurzer Zeit den Bach. Uns Zuschauer hat er dabei genaustens im Blick. Aus seinen kleinen Äuglein schaut er interessiert zu uns hoch. Die Rangerin bittet uns, besonders ruhig zu sein und uns nicht zu bewegen, solange der Bär sich unmittelbar unter uns befindet. Er verlässt nun also den Bach, kommt die Uferböschung hoch, geht unter dem erhöhten Steg hindurch und kommt auf ein Stück Wiese, dass sich – nun wieder fast auf gleicher Höhe wie unser Steg – zwischen Bach und Lagune befindet. Anstatt jedoch auf direktem Weg in die Lagune zu wechseln, lässt er sich Zeit. Schon längst hat er bemerkt, dass er nicht allein hier ist, dass «dort drüben» ja noch andere Lebewesen sind. Ob die wohl auch wegen der vielen, leckeren Lachse hier sind? Sie stehen auf alle Fälle auch alle ruhig und geduldig dort. Vielleicht haben sie sich dort ja einen besonders guten Platz ergattert? Sieht jedenfalls interessant und vielversprechend aus… Da würde es sich durchaus lohnen, mal etwas näher ranzugehen… Wäre es nicht ein Riesen-Spass, wenn wir alle zusammen von der Plattform auf die Fische runterschauen könnten? Probieren wir es doch mal…

Wir stehen indes bockstill auf der Plattform, wagen es kaum noch zu atmen. Während der «Draufgänger» noch überlegt, ob er sich zu uns gesellen will, wird uns nur allzu bewusst, wie lächerlich das Holzzäunchen ist und was für ein Leichtes es für diesen Bären ist, auf unsere Seite des Zauns zu kommen. Es ist zwar schon mal ein sehr gutes Zeichen, dass sich alle Leute auf der Plattform strikt an die Anweisungen der Rangerin halten und sich ganz ruhig verhalten. Nicht auszudenken, was eine unbedachte Fluchtreaktion auslösen könnte. Wir bemerken aber auch, dass unsere «Schockstarre» in diesem Fall auch nicht sonderlich hilfreich ist. Während wir weiterhin versuchen, das Verhalten des Bärs zu analysieren («Also der würde doch jetzt nicht ernsthaft zu uns kommen, oder?!»), tritt die Rangerin in Aktion: mit gezücktem Bärenspray tritt sie einen Schritt vor und wendet sich mit ruhiger, aber bestimmter Stimme direkt an den «Draufgänger»: «Hey, Mister. Gut jetzt, denk nicht mal dran, hierher zu kommen. Geh weg.» Damit ist das Thema diskussionslos erledigt. Mit einer «Wenn du meinst»-Miene wendet er sich wieder der Lagune zu. Wir können wieder normal atmen, die Starre löst sich, wir trauen uns wieder zu sprechen, Erleichterung macht sich breit. Auch wenn sich der Bär zu keiner Zeit aggressiv verhalten hat, so sind wir doch unendlich froh, dass es zu keinem Tête-à-Tête gekommen ist. Die nächste Stunde verbringen wir damit, den «Draufgänger» beim Fischen und Planschen in der Lagune zu beobachten.

Am Folgetag wagen wir uns nochmals auf die Plattform. Wir sind beruhigt, dass erneut Ranger vor Ort sind. Im hinteren Bereich des Stegs sehen wir eine kleine Menschentraube und ein paar grosse Objektive, alle haben ihren Fokus auf den Bach gerichtet. Dort steht eine Bärenmutter mit ihrem Jungen halb von Gebüsch verdeckt und graben am Ufer nach Wurzeln. Es vergeht mindestens eine Stunde, ohne dass sich etwas ändert. Sie graben, wir drehen Däumchen. Dabei nutzen wir die Gelegenheit, um uns mit den anderen Däumchen-Drehenden auszutauschen. Zwei Fotografen kommen regelmässig an den Fish Creek und berichten, dass das Junge auch schon «gesprayt» worden wäre. In seinem kindlichen Übermut sei es plötzlich ruck-zuck auf dem Steg gestanden. Eine Ladung Bärenspray (eine Art hochdosierter Pfefferspray, der sehr schmerzhaft ist für die empfindlichen Nasen und Augen der Bären) hat es dann aber schnell wieder auf die richtige Seite des Zauns gebracht.

Nach einer schier endlos scheinenden Zeit haben die beiden genug nach Wurzeln gegraben, nun ist fischen angesagt. Die Lachse sind am Ende ihres Lebenszyklus angekommen und schon so überfällig, dass «fischen» eine masslose Übertreibung ist. Pranke ins Wasser, Maul auf, halbtoter Fisch drin. Keine grosse Sache. Sogar für das Junge fast so langweilig, wie neben Mama nach Wurzeln zu graben. Die beiden entfernen sich ein wenig voneinander, jeder geht seiner eigenen Tätigkeit nach. In der Ferne ertönt plötzlich ein Knall. Ein Schwarm Möwen schreckt auf und fliegt über das Bärenjunge hinweg. «Oh wow – eine Möwe. Dicht über mir. In der Luft. Sie fliegt schnell. Ob ich sie kriege? Das ist sooo viel interessanter als lahme Fische». Doch von einem Moment auf den anderen kippt das ausgelassene Fangenspiel: Eine Möwe mag ja noch ganz lustig sein, ein ganzer Schwarm ist dann doch etwas furchteinflössend. Die Luftsprünge des «kleinen Angsthasen» verwandeln sich in einen gestreckten Galopp. So schnell wie möglich rast der «kleine Angsthase» durch das seichte Wasser zurück zu seiner Mutter und flüchtet sich direkt in ihre Arme.

Zwei Orte, acht Bären, unzählige Fotos – und doch bleibt am Ende etwas ganz anderes hängen: das fragile Gleichgewicht zwischen Nähe und Distanz. Zwischen Staunen und Respekt. Am Fish Creek merkten wir, wie schmal die Grenze zwischen Faszination und Unachtsamkeit sein kann – manchmal nicht höher als ein hüfthohes Holzzäunchen. Wir wollten Bären sehen. Am Ende haben wir Persönlichkeiten kennengelernt: vom Schwimmer bis zum Draufgänger, vom Halbstarken bis zum kleinen Angsthasen. In der Galerie «Hyder – Fish Creek» gibt es weitere Bilder vom Draufgänger und dem kleinen Angsthasen.

In der Wildnis Nordamerikas sind nicht nur Bären zuhause. An Land (lies dazu unseren Blog #43: Wandern in der Wildnis Alaskas – aufmerksam unterwegs) wie auch in den Gewässern leben viele weitere Tierarten. Von unseren eindrücklichsten Begegnungen mit Meeresbewohnern erzählen wir im nächsten Blog.

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#43: Wandern in der Wildnis Alaskas – aufmerksam unterwegs